Das Dülmener Wildpferd

 

Ursprünglich und einzigartig sind sie, unsere Dülmener Wildpferde. Ein Aalstrich,

 

Aalstrich *deluxe* mit Zebrierung !

 

 

der von der Mähne bis zum Schweif  reicht und oftmals

vorkommende Querstreifen über den Schultern (Schulterkreuz)   

 

Schulterkreuz

 

und an den Beinen (Zebrastreifen)

Zebrierung an den Beinen


sind sichere Indizien dafür, dass es sich bei diesen Kleinpferden mit einem Stockmaß von 125 bis 135 cm (In Ausnahmen auch unter 125 und über 145 cm) um eine ursprüngliche Rasse handelt.

Durch die fast ausschließliche Naturselektion (Zufütterung im Winter) und die hundertprozentige Anpassung an ihren natürlichen Lebensraum ist eine gesunde und langlebige Rasse entstanden.

Farblich dominieren bei den im Merfelder Bruch bei Dülmen in Westfalengeborenen Wildlingen mausgraue Falben, die auf den ausgestorbenen Tarpan zurückgehen. Gelblich-falbe Pferde erinnern an das Przewalski-Pferd und vereinzelte schwarz-braune entsprechen dem Exmoor-Typ.

Obwohl oder gerade weil die Wildlinge vom Menschen weitgehend unbeeinflusst und frei in der Wildbahn aufwachsen sind, zeigen sie in der Obhut und unter Anleitung von sachkundigen Pferdemenschen ihre Fähigkeiten als Kinder-, Jugend- und auch Erwachsenenreitpferde ,oder als Kutschpferde. Lernfreudig, leistungsbereit, zuverlässig und charakterfest sind sie nicht nur Partner von Freizeitreitern aller Reitweisen und Kutschfahrern, sondern präsentieren sich auch als ehrgeizige und erfolgreiche Sportpferde. Die gutmütigen und ausgeglichenen Pferde finden auch im therapeutischen Reiten ein passendes Einsatzfeld.

 

Als spätreife Rasse werden sie frühestens im dritten Lebensjahr eingefahren und nicht vor dem vierten Lebensjahr eingeritten, um körperliche Schäden zu vermeiden.

 

Außerhalb der Wildbahn sollten die Dülmener Wildpferde möglichst robust, d.h. ganzjährig im Offenstall mit genügend Bewegungsfläche und in Gesellschaft anderer Artgenossen gehalten werden. Zu üppiges Grünland birgt die Gefahr der Verfettung und der Hufrehe-Erkrankung.

 

 

 

Der Dülmener

 

In privater Hand außerhalb der Wildbahn gezüchtete Wildpferdenachkommen werden als „Dülmener“ bezeichnet und unterliegen der Zuchtzielbeschreibung der Pferdezuchtverbände:

Falben aller Variationen mit Wildzeichen und ein  Stockmaß von 125 bis135 cm sind erwünscht. Der Kopf soll mittelgroß und ausdrucksvoll sein, die Stirn breit, der Nasenrücken gerade bis leicht konkav, die Augen groß undintelligent und die Ohren klein. Genügend lang soll der Hals sein, dabei leicht gewölbt und gut aufgesetzt. Ein Unterhals wird toleriert. Ein mäßig ausgebildeter Widerrist, schräge Schulter, ein elastischer und gut bemuskelter Rücken, eine leicht abschüssige Kruppe, eine breite Brust, eine gute Rippenwölbung und Gurtentiefe sind ebenso gewünscht wie ein Rechteckformat.Gelenke sollen trocken und markant sein, die Röhren stabil, und die Fesselung nicht zu lang. Gut geformte, kleine, harte Hufe sind ebenso erwünscht wie eine gut gewinkelte, muskulöse Hinterhand.

Der Bewegungsablauf soll taktrein, raumgreifend, elastisch und nicht zu flach sein und die Hinterhand soll einen energischen Schub ermöglichen. Der Dülmener soll als vielseitiges Familienpferd und als Kutsch, - Reit- und Distanzpferd eingesetzt werden können. Als besondere Merkmale finden wir in der Zuchtzielbeschreibung:gutmütig, ausgeglichen, lernfreudig, hart, robust, ausdauernd; sehr gute Futterverwerter;langlebig.

 

 

 

 

Die Wildpferdeherde

 

Um die 380 Pferde leben in derWildbahn im Merfelder Bruch. Da die einjährigen Hengste, bevor sie geschlechtsreif sind, beim jährlichen Wildpferdefang aus der Herde herausgefangen werden, besteht sie fast ausschließlichaus Stuten. Die Größe der Herde bietet dem Besucher der Wildbahn ein überwältigendes Bild.

Der Herdenverband setzt sich aus Gruppierungen, sogenannten Familienverbänden zusammen. An deren Spitze steht immer eine Leitstute, die sich nicht unbedingt durch Kraft und Stärkeauszeichnet, sondern deren Führungsqualität auf Alter und Erfahrung beruht. Der bekannte Verhaltensforscher Klaus Zeeb beschreibt, dass der Erfahrungsschatz Leitstuten befähigt echte von vermeintlichen Gefahren zu unterscheiden und diese wissen, wann der Verband fliehen muss.

Der Besucher der Wildbahn kann beobachten, dass die Wildlinge immer gruppenweise den Standort wechseln. Die Futter und Wasseraufnahme findet im Familienverband statt.

Ca. 16 Stunden täglich verbringendie Pferde mit Futteraufnahme, immer wieder unterbrochen durch Ruhephasen.

Das Leben in einem Sozialverband ist ihnen angeboren und deshalb arttypisch.

Im Liegen schlafende Fohlen werden von aufmerksamen Stuten des Familienverbandes bewacht. Erwachsene Pferde ruhen gewöhnlich im Stehen.

Während Pferde als Fluchttiere in der Regel das offene Gelände als Aufenthaltsort bevorzugen, in dem sie freie Sicht haben und die Möglichkeit jederzeit zu fliehen, suchen sie bei Regen Schutz im Wald. Großer Hitze begegnen sie indem sie eine windige Stelle aufsuchen, an der sie dicht gedrängt stehen.

Aber auch Zwistigkeiten und Rangkämpfe werden ausgetragen. Hierin üben sich die Fohlen bereits spielerisch.

Vor dem Wildpferdefang, Anfang Mai, werden der Herde für ein paar Wochen zwei Hengste zugeführt.. Seit Ende der 50er Jahre sind dies überwiegend Konik-Hengste, eine Rückzüchtung des ausgestorbenen Tarpans, doch in den letzten Jahren wurden auch wieder verstärkt Dülmener Wildpferdehengste eingesetzt. Sie sorgen mit den empfangsbereiten Stuten für den Fortbestand der Wildpferdeherde. 11 Monate später werden die Fohlen dann, während einige Stuten des Familienverbandes sich schützend um die gebärende Stute versammeln,ohne Tierarzt oder sonstiges menschliches Dazutun, in die Freiheit der Wildpferdebahn im Meerfelder Bruch geboren.

 

Die Wildpferdeherde ist seit vielen Jahrzehnten ein Feld der Verhaltensforschung. Viele hier gewonnene Erkenntnisse aus dem natürlichen Leben und Verhalten der Pferde sind in die neuere Literatur zur artgerechten Pferdehaltung eingeflossen.

 

 

Die Wildpferdebahn im Merfelder Bruch

 

Zwölf Kilometer westlich von dermünsterländischen Stadt Dülmen gelegen, an der Landstraße zwischen Meerfeld und Borken befindet sich die ausgeschilderte Einfahrt zur Wildpferdebahn. Bereits die Zufahrt, die durch Kiefern-, Laubwald und Birkengehölz führt, lässt ahnen welch ein reizvolles Fleckchen Erde den Besucher in der ca. 3,5 qkm großen Wildpferdebahn im Naturschutzgebiet Meerfelder Bruch erwartet.

Am Ende des Zufahrtsweges öffnet sich die Weite des Weidelandes, in dem die Wildpferdeherde ihre Nahrungsquelle findet.

Die Fläche der Wildbahn teiltsich ungefähr zur Hälfte in Weideland und Wald.

DasAreal reicht aus um den Nahrungsbedarf der Herde zu bedienen, lediglich in harten Wintern wir Heu zugefüttert. Auch der Genuss von Gräsern und Kräutern am Weiderand und im Wald dient den Pferden zur ausgewogenen Ernährung und ihrer Gesunderhaltung. Den Durst stillen die Wildbahnbewohner aus Trögen, in die Wasser mit der Kraft kleiner Windräder aus der Tiefe gepumpt wird. Um einen gestauten Wassergraben herum bietet sich dem Besucher ein besonderer Ort an dem die Pferde und ihr natürliches „Erkundungs-  und Meide-Verhalten“, wie die Verhaltensforscher es bezeichnen, beobachtet werden können.

Auf derebenen Fläche der Wildbahn fallen dem aufmerksamen Betrachter Trampelpfade auf,die die Weideflächen durchziehen. Diese schmalen Spurpfade, die in der Breitegerade für zwei Hufe Platz bieten, haben sich für sie als sicherer Weg bewährtund verbinden für die Pferde wichtige Orte.

 

Der Besuch der Wildpferdebahn ist ein Erlebnis der besonderen Art. Wer Action sucht sollte sich den Weg hierhin sparen. Wer Ruhe in einer einzigartig reizvollen Landschaft sucht und sich aufmerksam und respektvoll auf die Natürlichkeit der Wildlinge und ihres freien Lebens einlassen kann, dem beschert die Wildbahn Erholung und eine Auszeit von Lärm, Hektik und Alltag.

 

Von Anfang März bis zum 1.November steht das Gelände an Wochenenden und Feiertagen Besuchern offen. Fachkundige Führungen für Gruppen bietet die zuständige Forstoberinspektorin Friedericke Rövekamp nach Absprache an.

WeitereInfos unter www.wildpferde.de

 

 

Keine Dülmener Wildpferde ohne die Herzöge von Croy

 

Ohne das idealistische Engagement der Herzöge von Croy, existierten Dülmener Wildpferde heute nicht mehr.

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland und besonders in Nordrhein-Westfalen einige Wildpferdeherden. Diese mussten mehr und mehr der Expansion landwirtschaftlicher Kulturflächen weichen und wurden sogar zum Schutz von landwirtschaftlich genutzten Flächen bejagt. So erging es auch derWildpferdeherde im Merfelder Bruch,die bereits 1316 urkundlich erwähnt wurde. In der Mitte des 19.Jahrhundertswurde dem Herzog von Croy im Rahmen der preußischen Markenteilung Teile des Merfelder Bruchs zugesprochen, wodurch auch die ca. vierzig verbleibenden Wildpferde in seinen Besitz fielen. Durchdie Einrichtung eines Reservats in ihrem ursprünglichen Lebensraum sicherte erden Dülmener Wildpferden ihr Überleben und legte damit den Grundstein für denErhalt der Herde, die stetig wuchs und deren Lebensraum durch Zukauf weitererFlächen angepasst wurde. Bis heute sind Wildbahn und Herde im Besitz der Familie.Heute setzt sich Rudolph Erbprinz von Croy, der Tradition seiner Familie folgend, mit hohem Idealismus für seine Wildpferdeherde ein. Der nicht unerhebliche materielle und personelle Aufwand, den der Erhalt der Wildbahn fordert, wird ohne jede staatliche Unterstützung von der Herzogsfamilie getragen.

 

 

Der Wildpferdefang

 

Seit über 100 Jahren findet amletzten Samstag im Mai der Wildpferdefang in der Wildbahn statt.

Die Selektion der einjährigen Hengste aus der Herde ist wichtig um unerwünschte Inzucht zu vermeiden.Außerdem würden sich geschlechtsreife Hengste bekämpfen und die zur Zuchteingesetzten Hengste bei ihrer „Aufgabe“ stören.

Der traditionelle Wildpferdefang hat sich seit Langem zu einem Volksfest entwickelt. Mit einem unterhaltsamen Rahmenprogramm, in der unter Anderem Mitglieder der Wildpferdefreunde e.V. die Vielseitigkeit der Rasse als Reit- und Kutschpferde in Schau-Vorführungen präsentieren, wird dem Zuschauer die Zeit bis zum Höhepunkt der Veranstaltung verkürzt:

Die Wildpferdeherde wird von Fängern, jungen Männern aus der Region in traditioneller Münsterländer Kleidung, in die 1923 errichtete Arena getrieben, die auf ihren Tribünen 12000 Zuschauern Platz bietet.

Es ist ein unbeschreibliches und überwältigendes Erlebnis mit zu erleben, wie die Herde in die hufeisenförmige Arena einläuft. Auch bei langjährigen Besuchern des Wildpferdefangs weckt dieses Schauspiel immer wieder Emotionen.

Die Männer fangen die Hengst-Jährlinge ohne technische Hilfsmittel mit bloßen Händen und viel Körpereinsatz.Für die Jährlinge die schonendste Art, für die Fänger nicht ungefährlich.

Mit lang anhaltendem Applaus danken die Zuschauer den Fängern, die auch bei Hitze oder Regen ihren uneingeschränkten Einsatz zeigen und in manchen Jahren bis zu 30 Jährlinge erfolgreichvon der Herde trennen.

Nach Stunden der Unruhe für Menschen und Pferde ist es wohltuend der Herde bei der stürmischen Rückkehr aus der Arena in die Freiheit und den Frieden ihrer Wildpferdebahn zuzuschauen.

 

Die gefangenen Hengste erhielten bis im Jahr 2010 traditionell den Brand der Herzöge von Croy, als untrügliches Markenzeichen ihrer Herkunft. Nun werden sie „gechipt“.

 

In der Versteigerung der Jährlingshengste findet die Veranstaltung ihren Abschluss. Für die versteigerten Wildlinge ist es der Anfang eines Lebens außerhalb der Wildbahnund für das Pferd und seinen neuen Besitzer hoffentlich der Beginn einer langen Freundschaft.

 

 

 

Quellen und weiterführendeLiteratur:

Cordula Marx/Agnes Schulte, ...sofrei, so stark..., Westfalens wilde Pferde, Essen 2002

Rainer A.Krewerth/Dieter Rensing,Wo die wilden Pferde leben, Warendorf 1979

Bernd Lamm/Elli H.Radinger, Wildpferde,Freiheit auf vier Beinen, Steinfurt 2005

Herzog von Croy´sche Verwaltung(Hrsg.), Wildpferdefang, Geschichte und Geschichten vomWildpferdefang, Dülmen 2006

Ursula Bruns, Die Wildpferdevon Dülmen, Bonn 1988

DVD: Wildpferde im MeerfelderBruch, Gescher 2004

 

 

Wilfried Müller Juni 2011

 

oder auch hier: